Eröffnung: 23. September 2022 - 19 Uhr
Viele der Künstler*innen sind anwesend

Freiheit ist ein vieldiskutierter Begriff und umfasst psychologische, soziale, kulturelle, politische und rechtliche Dimensionen. Freiheit ist aber vor allem eines - relativ: Für jemand, der*die am Land lebt ist, kann eine Großstadt große Freiheit und Vielfalt darstellen. (Oder auch umgekehrt.) Für jemand der*die aus einem anderen, womöglich weniger demokratische Land stammt, kann Wien ein sehr freier Ort sein? (Oder auch nicht.) Die „Wiener Freiheit“ war jedenfalls bis vor Kurzem ein legendäres und sagenumwobenes Nachtlokal und Treffpunkt der queeren Szene in Wien. Ehemalige Gäste berichten, es wäre dort viel Freiheit möglich gewesen, in vielerlei Hinsicht. Eine „LGTBIQ+-Institution“ schreibt die österreichische Tageszeitung der Standard anlässlich der Schließung des Lokals 2019, die fehlen wird. 

Der Performancekünstler Alexandru Cosarca hat die Wiener Freiheit noch in den letzten Jahren miterlebt und erzählt „Die Wiener Freiheit war ein Versprechen an die Gäste, die sonst nirgends reingekommen sind. Schön und hässlich, verzweifelt und leicht zu haben, gayfährlich und ehrlich. Wenn man sich an der Tür einigen konnte, war die Tanzfläche ein Stück Freiheit.“ Die Wiener Freiheit war auch Schauplatz für Alexandru Cosarcas Projekt „Purple is Burning“. Da sein größer angelegtes Performance-Happening im Rahmen des Festivals Wienwoche 2020 aufgrund von Corona nicht stattfinde konnte, lud er die Community zu einem bunten Abend in die bereits geschlossene Disco der „Wiener Freiheit“. Aus der eigentlich als abendfüllende Show konzipierten Performance wurde ein Film, ein intimes Porträt eines Teils der jungen queeren Wiener Kunstszene. Dieser Film inspirierte Titel und Thema dieser Gruppenausstellung und ist in voller Länge im Loop in der Ausstellung zu sehen. Es gehe im Film um Vielfalt meint er, und nicht um sexuelle Orientierung. „Post-queer“ bedeutet für ihn, dass sich die queere community nicht erst formieren oder gar abgrenzen muss, sondern Gleichberechtigung, Miteinander und Mutlitude sind das Ziel.

Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen und versammelt unter dem Titel >Wiener Freiheit< Künstler*innen, die in Wien leben und arbeiten. Einige der Künstler*innen sind nicht in Österreich geboren oder aufgewachsen, einige der Künstler*innen sind Protagonist*innen der queeren Kunstszene in Wien. Andere passen nicht in diese Schubladen. Viele der Künstler*innen sind noch sehr jung; das Spektrum reicht von ganz neu in der Kunstszene, über bereits anerkannt und ausgezeichnet (Andreas Fogorasi wurde nach zahlreichen internationalen Ausstellungen u.a. für seinen Biennalebeitrag mit dem goldenen Löwen von Venedig ausgezeichnet), bis zu Fotografien der Künstlerin Margot Pilz aus dem Wien der 70er Jahre, die zu jetzigen Arbeiten in Beziehung gesetzt werden. 

Die Techniken in der Ausstellung sind so divers wie die Künstler*innen: Film, Malerei, Collage, Assemblage, Textiles, Skulptur, Installation und Performance. Die Mitwirkenden stammen u.a. aus Bangladesch, der Türkei, USA, Rumänien, Schweden, Holland, Wien und Klagenfurt.