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Maria Legat ist längst keine Unbekannte mehr in der Kunstszene, denn ihre großformatigen Malereien auf Leinen bleiben in Erinnerung, hat man sie einmal zu Gesicht bekommen. Ihre Bildsprache ist einzigartig, durchdringend und radikal. Sie verlangt den Betrachtenden nicht mehr und nicht weniger ab, als sich auf ihre großen Werke einzulassen. Keine Scheu zeigt Legat vor konfliktgeladenen Themen: Widerspruch und Widerstand selbst sind zentrales Motiv und Antrieb ihrer Arbeit.

Das Atelier der in Kärnten geborenen und aufgewachsenen Künstlerin ist für Sie ein Ort der existentiellen Einsamkeit für ihr Œvre; ein Ort besonderer Zeitwahrnehmung. Hier erlegt sie sich selbst eine spezielle Art der Präsenz aber auch Distanz zum Alltag auf. Dieser Zustand entrückt sie zugleich von der Welt und bringt sie ihr auch näher und ermöglicht zugleich zu sehen, was vor aber auch nach den Dingen steht, so Legat. Dabei beginnt der künstlerische Akt nicht erst mit dem Ansetzten des Kohlestiftes auf die Leinwand, dem ersten Strich voraus ergeht ein langes Ringen mit kompositorischen Überlegungen aber auch ein Verdichten von Gelesenen, Gedanken und Emotionen. „Malen heißt für mich entscheiden,“ so die Künstlerin.
 
Legat arbeitet immer ohne Skizzen und direkt auf Leinen. Den Anfang macht die Linie, die Kohle - wie das Leinen, ein aus der Natur stammendes Material. Zuletzt kommen die Farben, mit rohen Pigmenten als Basis ergibt sich ihre ganz eigene Palette, meist am Leinen gemischt, die keine Korrektur erlaubt. Ihre Werke durchlaufen somit einen intensiv intimen Prozess. Ein Bild ist gelungen, wenn dieser aufreibende Prozess sich in der Ausstellung fortsetzt, indem das Werk wiederum bei den Betrachtenden Intensives auslöst, so Legat.

Quantität ist für Maria Legat kein Maß der Dinge, denn nur wenige aber dafür meist großformatige Arbeiten verlassen ihr Atelier in Niederösterreich jedes Jahr. In letzter Zeit beschäftigt sich die Malerin mit dem Generieren von Wert der Kunst und ist sich dem Takt, den der Kunstmarkt vorgibt, bewusster. Es geht ihr darum, hinter und vor die Dinge in unserer kapitalistischen Welt zu blicken, Distanz zu der menschlichen Obsession Dinge besitzen zu wollen, einzunehmen und diese Möglichkeit letztendlich mit den Interpretierenden zu teilen.

„Ich glaube, dass eine große Sehnsucht nach dem Nach herrscht. Ein Nach der Pandemie, ein Nach dem Krieg, ein Nach dem Klimawandel. Dieses Nach kann vielleicht nur mit einem Ende der Besitzwut eintreten, einem Nach der Dinge.“

Für ihr Einzelausstellung >Das Nach der Dinge< sind neue Bilder entstanden: Wir treffen auf ein Motiv der Romantik, ein Paar blickt auf den Horizont. Doch eigentlich ist der Baum, ein geschundener Baum, der viel gesehen hat, der Protagonist der Szene. Wir begegnen aber auch abstrahierten Figuren, oder sind es Dächer, Dreiecke, Hüte und vor was soll man sich hüten bzw. behütet werden? Anderswo sitzt im Vordergrund eine große Frau und ballt ihre Faust, Rücken an Rücken einer riesenhaften Figur, die eine klare und gleichzeitig undefinierte Begrenzung zu haben scheint. Am Boden ranken sich Muster – sind es Fahnen, die hier wuchern, Symbole territorialer Abgrenzung, Auslöser für Angst? Über allem schwebt eine massive geschmiedete Krone, deren Zacken nach unten weisen. Eine Krönung steht bevor oder täuscht uns hier eine Falle, die womöglich zuschnappt?

Voll von Ambivalenzen, Referenzen und vielschichtigen Bedeutungsebenen ist Maria Legats Malerei. Oft schein sie besser vergleichbar mit kunsthistorischen Gemälden, in denen jede Handbewegung eine Bedeutung trägt oder gar mit Literatur als mit anderer zeitgenössischer Malerei. – Die zentrale Figur blickt uns an, als ob sie weiß, was wir getan haben. Im Auge von uns Betrachtenden liegt es schließlich, ob dies Unbehagen auslöst oder ob wir dem Blick standhalten und uns auf diese nonverbale Auseinandersetzung mit der Lage der Welt einlassen.