Legenden sind Thema in den Arbeiten der Wiener Künstlerin Sophie Dvořák sowie des Afghanisch-Deutschen Künstlers Rohullah Kazimi.
Sophie Dvořák dekonstruiert und seziert für ihre Collagen Landkarten bzw. die dazugehörigen Legenden. Mithilfe von Skalpell und Kleber entstehen aus alten Enzyklopädien, Atlanten, Land- und Seekarten neue Ordnungssysteme und fragile Weltenbilder. Für die Ausstellung in der Galerie3 entstand in situ die Wandinstallation „Continental Drift“, die sieben Collagen mit Legenden zu den Kontinenten sowie Wandbeklebungen aus Motiven desselben Atlas umfasst. Die Installation bringt Schubladen des Denkens ins Wanken und spielt mit den Maßstäben, dem Hinzufügen und Weglassen und nähert sich so dynamisch einer Welt in ständiger Bewegung an. „Zwischen der Vorstellung von Landkarte und Landschaft“ – schreibt Alexandra Hennig – „führt uns Dvořák dialektisch vor Augen, dass jedes kartografische Unterfangen paradox und illusorisch ist, und dass in Zeiten eines obsessiven Bedürfnisses nach Ortsbestimmung, diesem Zustand der Unbestimmtheit die Sehnsucht nach Abenteuer, nach ungekannten, ja sogar utopischen Orten innewohnt.“
Sophie Dvořák (*1978 Wien) studierte Kunstgeschichte und Fotographie, bevor sie ihr Studium der Bildenden Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien und der Glasgow School of Arts 2008 abschloss. Seitdem stellt sie national und international aus und wurde mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet; zuletzt erhielt sie das Staatsstipendium für bildende Kunst.
In einer künstlerischen Praxis, die konzeptuelle Zeichnung, Collage, Skulptur und das Sammeln umfasst, beschäftigt sich Dvořák mit Fragen, die sich auf Raum und Territorien und deren Repräsentationscodes, Geschichte und Wahrnehmung beziehen. Sie schafft Kunstwerke und installative Arrangements, die abstrakt-fiktive Abbildungen von Welt(en) und Wissen und Interpretationen von Geschichte und räumlicher Beziehungen darstellen.

Rohullah Kazimi (*1987 in Kabul) beschäftigt sich mit Legenden anderer Art, nämlich mit kunstgeschichtlichen Legenden und solchen der Popkultur. In seinen Stickbildern porträtiert er auf unverwechselbare Weise legendäre Figuren und Persönlichkeiten der Filmgeschichte, der Popmusik und der Kunstgeschichte mit Garn auf Nessel.
Rohullah Kazimi ist ein afghanisch-deutscher Künstler. Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg 1989 wanderte Kazimi mit seiner Familie über den Iran und Usbekistan nach Deutschland aus. Seit 1995 lebt Kazimi in Hamburg. Seit 2007 arbeitet er im Atelier der Schlumper als bildender Künstler. Seit 2013 wird er von der Galerie3 vertreten und wirkte an zahlreichen Ausstellungen, Projekten und Kunstmessen mit.

Im Lichthof der Galerie3 wird ein Fragment der „Notgalerie“ gezeigt, ein langfristiges Projekt von Reinhold Zisser, um das sich bereits zahlreiche urbane Legenden ranken. Für Zissers auch als Netzwerkprojekt funktionierende „Notgalerie“, von der ebenfalls Holzfragmente ausgestellt sind, schufen Andrea Lüth und Gerald Roßbacher 2018 die Arbeit „Notrichter”. Bezugnehmend auf Gerhard Richters Arbeit im Kölner Dom „Domfenster“ (Richterfenster) wurden acht Fenster der Notgalerie mit einzelnen Quadraten aus farbigen Klebefolien in der Größe 9,6 x 9,6 cm gestaltet. Für „Notrichter Edition 1”, anlässlich der Ausstellung >Legends< in der Galerie3, greifen die Künstler:innen die Quadratgröße und das Farbmuster von „Notrichter” auf und gestalten 3 x 4 Quadrate zu einer Klebefolie, die sowohl als Edition gesammelt als auch als Fensterbeklebung benutzt werden kann und eine besondere Lichtstimmung zaubert.